Die Hunderten anderen, die durchaus eine Meinung haben, aber keine Lust auf einen Abend im Rathaus, bleiben unsichtbar. Immer mehr Dienste für Partizipation und Raumordnung suchen deshalb nach extra Kanälen, um diese stille Mehrheit trotzdem zu hören.
Eine Wunschseite als niederschwelliger Extra-Kanal
Wens on Web wird dafür als Ergänzung, nicht als Ersatz, der bestehenden formellen Mitwirkungsverfahren eingesetzt. Rund um ein konkretes Projekt, zum Beispiel die Neugestaltung eines Dorfplatzes, legt die Gemeinde eine Seite an, auf der Einwohner in wenigen Minuten einen Wunsch, eine Idee oder eine Sorge hinterlassen können. Kein Konto, kein Login, kein langer Fragebogen: einfach ein Textfeld, wie bei einem Geburtstagswunsch.
Was Einwohner genau teilen können
Neben Text können Einwohner auch ein Foto hinzufügen. Das eröffnet interessante Möglichkeiten: ein Foto eines ähnlichen Platzes in einer anderen Gemeinde als Inspiration, ein Foto der aktuellen Situation mit einem Hinweis, was fehlt, oder einfach ein Bild, das die Atmosphäre zeigt, die sie behalten oder gerade verändern wollen. Dieser visuelle Input gibt den Planern oft konkreteren Halt als eine Note auf einer Zufriedenheitsskala.
Wen man damit erreicht
Die Schwelle ist entscheidend. Junge Familien, die keine Zeit für eine Abendversammlung haben, Berufstätige oder Einwohner, die sich nie berufen fühlen, auf einem Infoabend das Wort zu ergreifen: genau diese Gruppen lassen über einen kurzen Online-Wunsch doch etwas von sich hören. Das liefert ein breiteres und vielfältigeres Bild als ein klassisches Mitwirkungsverfahren allein.
Wie das in ein Partizipationsverfahren passt
Wichtig zu betonen: das ersetzt keine gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Untersuchung und keinen offiziellen Mitwirkungstermin. Es ist ein extra, niederschwelliger Kanal, der neben dem bestehenden Verfahren läuft und vor allem dazu dient, ergänzende, informelle Beiträge einer breiteren Gruppe von Einwohnern zu sammeln.
Verarbeitung der Ergebnisse
Nach der Sammelperiode bündelt die Gemeinde alle Wünsche zu einer Übersicht: eine Reihe wiederkehrender Themen, auffällige Ideen und konkrete Beispiele, die den Planern oder dem Studienbüro als Inspiration dienen können. Diese Übersicht kann in den Partizipationsbericht aufgenommen werden, als Ergänzung neben den Ergebnissen von Infoabenden und Umfragen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Bei der Neugestaltung eines Dorfplatzes teilte eine Gemeinde den Link über Newsletter und soziale Medien mit der Frage: „Was fehlt dir heute auf dem Platz, und was würdest du dir dort wünschen?“ Innerhalb von zwei Wochen kamen Dutzende Reaktionen, von jungen Eltern, die mehr Schatten und Sitzbänke wollten, bis zu älteren Einwohnern, die für eine ruhige Ecke ohne Fahrradverkehr plädierten. Input, der beim klassischen Infoabend nie auf den Tisch gekommen wäre.



